Das Kelly System

Das Kelly System ist neben dem Unit-System ebenfalls ein beliebtes Money Management System beim Sportwetten.

Wie bei allen Money Management Systemen zielt es darauf Gewinne zu maximieren und das Risiko zu minimieren.

Aus diesem Grund wird das Kelly System sehr häufig verwendet, wenn der Sportwetter sich stark auf die Analyse von Statistiken und somit auf eine „technische Analyse“ zur Auswahl seiner Wetten konzentriert. Bei Kelly ist es notwendig die Quoten für ein Ereignis möglichst genau einschätzen zu können. Das geht natürlich auch mit „fundamentaler Analyse“ also dem über das Schauen von Spielen, Verfolgen von News, Vereinsinterna, Taktikanalysen, Tabellenplatzierungen etc. Insgesamt erfordert das korrekte Einschätzen von Siegwahrscheinlichkeiten bzw. das Erstellen von eigenen Quoten aber ein wenig Übung.

Der Kern des Kelly-Systems ist das Value Betting. D.h. man vergleicht eine auf eigenen Überlegungen basierende Quote mit der vom Wettanbieter angebotenen. Das Ziel ist Quoten zu finden, die vom Wettanbieter zu hoch angesetzt sind. Ist dies der Fall, lässt sich langfristig Gewinn erzielen (s. Artikel Value Betting). Im Folgenden die Kelly Formel:

  • Wetteinsatz=gesamtes Wettkapital * Vorteil / (Quote -1),


Der „Vorteil“ Vorteil ist dabei als:
  • Vorteil = (Wahrscheinlichkeit * Quote -1)


definiert.

Ein Beispiel: Ein Wettanbieter bietet für einen Sieg von Borussia Dortmund gegen Werder Bremen eine Quote von 1,75 an. Dann wäre die Wahrscheinlichkeit für einen Dortmunder Sieg bei ca. 57% (1/Quote= 1/1,75= ~0,57). Du könntest jetzt durch eigene Betrachtungen, statistische Daten etc. zu dem Schluss kommen, dass Borussia Dortmund eher mit 65 prozentiger Wahrscheinlichkeit als Sieger vom Platz gehen dürfte. Eine 65 prozentige Wahrscheinlichkeit lässt sich als Quote mit einer 1,54 ausdrücken (1/angenommene Wahrscheinlichkeit*100 = 1/65*100 = ~1,538).
Angenommen Du hast ein Wettkapital von 100€, dann kannst Du wie folgt in die Kelly Formel einsetzen:

  • Wetteinsatz = gesamtes Wettkapital * Vorteil / (Quote -1)
  • Wetteinsatz = gesamtes Wettkapital * (Wahrscheinlichkeit * Quote -1) / (Quote -1)
  • Wetteinsatz = 100€ * (0,65 *1,75 -1) / (1,75 -1)
  • Wetteinsatz = 100€ * 0,1375 / 0,75
  • Wetteinsatz = 18,3€

Der Unterschied zwischen angebotener Quote (1,75) und selbst ermittelter (1,54) ist mit 0,21 schon recht hoch. In der Regel werden die Abweichungen oft geringer sein. Aber vor allem bei Wetten auf starke Underdogs kann durchaus auch mal 1,x und mehr an Differenz ermittelt werden.

18,30€ von 100,-€ sind fast ein Fünftel des gesamten Wettkapitals. Damit muss wesentlich mehr vom Wettkapital riskiert werden, als wir im Artikel „“Money Management““ empfehlen. Wenn der Unterschied noch größer als 0,21 ist, ist der nach der Kelly Formel zu setzende Betrag noch höher. Das bedeutet, dass Dein Wettkapital sehr großen Schwankungen unterworfen ist.

Dies ist ein „Problem“ beim direkten Setzen nach Kelly. Daraus ergibt sich noch ein weiteres Problem. Es besteht darin, dass das direkte Kelly System im Prinzip nur spielbar ist, wenn stets eine Wette zurzeit gespielt wird. Denn für die Berechnung des Einsatzes für eine weitere Wette muss im Prinzip die erste Wette erst ausgewertet sein, da sonst unter Umständen schnell das gesamte Wettkapital investiert ist und im Falle weniger nicht eintreffender Wetten alles verloren ist und das „Money Management System“ so ausgehebelt wird.

Für die Praxis empfiehlt es sich daher einen Korrekturfaktor zu wählen und dann einen fixen Bruchteil des mit Hilfe des Kelly Systems ermittelten Betrags zu setzen. Du kannst beispielsweise bei Deinen Wetten stets nur ein Viertel des nach Kelly Formel ermittelten Betrages setzen. Oder du setzt ein Fünftel oder ein Zehntel.

  • Im Beispiel oben kannst Du statt mit vollem Kelly-Einsatz zu wetten beispielsweise mit einem Viertel wetten. Statt 18,30 Euro setzt Du dann 4,50 Euro.

Die range zwischen einem Viertel und einem Zehntel hat sich für die Praxis bewährt. Probiere am besten aus, womit Du dich am wohlsten fühlst.

Die eigene Ermittlung einer zutreffenden Quote hat für die Berechnung der Einsätze nach Kelly System direkten Einfluss. Aufgrund dieser Tatsache kann es sinnvoll sein zunächst mit dem „“Unit System““ erste Erfahrungen zu sammeln und sich im Berechnen bzw. Einschätzen von Quoten zu üben. Dann kann auch sehr gut mit dem Kelly System gearbeitet werden.