Movement & Liquidität

Ist dir im vorangegangenen Artikel – „Was steckt hinter einer Wettquote“ – etwas aufgefallen bei der Berechnung der Eintrittswahrscheinlichkeiten aus den Wettquoten, die 888sports für die Partie FSV Frankfurt – St. Pauli anbietet? Im Folgenden erfährst Du mehr über die Buchmachermarge, das Movement und die Liquität im Wettmarkt.

Die Buchmacher Marge

Für eine bessere Übersicht unten noch einmal die Eintrittswahrscheinlichkeiten entsprechend der Quote. Fällt dir etwas auf?

 

  • 1/Quote*100 = Eintrittswahrscheinlichkeit in Prozent
    • 1 / 2,9*100= 34,5% (Sieg FSV Frankfurt)
    • 1 / 3,4*100= 29,4% (Unentschieden)
    • 1 / 2,4*100= 41,7% (Sieg St. Pauli)

 

Richtig, die Summe aus 34,5 + 29,4 + 41,7 ist nicht 100 sondern 105,6! Merkwürdig, dass die Summe der Wahrscheinlichkeiten aller möglichen Spielausgänge über 100% also mehr als 1 beträgt, oder nicht? In der Praxis unmöglich. Also ein Fehler des Buchmachers?

Leider nein. Es handelt sich um die Ausschüttungsquote, mit der jeder Buchmacher sein Geld verdient.

Die Ausschüttungsquote ist die eigentliche Einnahmequelle der Buchmacher. Diese haben nur bedingt das Interesse mit ihren Wettquoten die tatsächlichen Eintrittswahrscheinlichkeiten wieder zu spiegeln. Wenn Du dir das Beispiel ansiehst „verkauft“ der Buchmacher hier 29,4% + 34.5% + 41,7% = 105,6% als Gesamtquote. Da aber die Gesamtwahrscheinlichkeit für ein Spiel in der Summe nie 105,6%, sondern immer nur 100% betragen kann, verdient der Buchmacher an dieser Marge von 5,6% (Anm. es wurde mit den jeweils gerundeten Werten aus dem Beispiel oben gerechnet, um Verwirrungen zu vermeiden; mit nicht gerundeten Werten beträgt die Marge 5,27%).

  • Buchmacher Marge      = (1 – 1/ (Quote 1 + 1/Quote X + 1/Quote 2))*100

= (1 – 1/ (1/2,9 + 1/3,4 + 1/2,4))*100

Das Verhältnis von Auszahlung zu Marge bezeichnet man auch als Quotenschlüssel.

Das Wettquoten Movement

Wie im vorangegangenen Abschnitt über die Buchmachermarge erläutert verdienen diese ihr Geld mit den Aufschlägen auf die einzelnen Wettquoten. Nicht damit – wie man annehmen könnte – dass sie versuchen Ergebnisse besser abzuschätzen als die Masse der Wettenden. Die Überlegungen hinsichtlich der Wettquote spielen für die Wettanbieter in erster Linie in Bezug auf die Eröffnungsquote – die Wettquote, die zu allererst auf der Website des Sportwetten Anbieters auftaucht – eine Rolle. Wie der Wettanbieter zur Eröffnungsquote kommt ist ein sehr komplexes Thema und wird natürlich auch seitens der Sportwetten Anbieter streng geheim gehalten.

Da der Buchmacher nun sein Geld mit Quotenaufschlägen verdient, muss er nur darauf achten, dass möglichst auf alle Spielausgänge gleich viel Geld fließt. Um dies zu erreichen nutzt der Anbieter die Quote als Stellschraube. Im Pokalspiel Holstein Kiel – Borussia Dortmund am 07. Februar 2012 wetten beispielsweise sehr viele Leute auf den Favoriten Borussia Dortmund. Nun muss der Wettanbieter zusehen, dass er die Quote für Holstein Kiel erhöht, damit andere Leute einen Anreiz haben aufgrund der hohen Wettquote und damit verbundenen möglichen hohen Auszahlung im Gewinnfall ihr Geld auf Sieg Holstein Kiel zu platzieren. Um die Bücher ständig ausgeglichen zu halten, passen die Wettanbieter laufend die Quoten dem Wettverhalten der Kunden an. Dadurch können manchmal mehrmals in der Minute die Wettquoten wechseln.

Das gleiche findet natürlich auch in die andere Richtung statt. Nehmen wir uns nochmal das Pokalspiel Holstein Kiel – Borussia Dortmund vor. Dortmund hatte in diesen Fall eine Wettquote von ca. 1,20. Vielleicht war das eine faire – der tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeit entsprechende – Quote. Allerdings sollte man bedenken, dass die breite Masse meist einfach auf den Favoriten wettet. Das weiß auch jeder Buchmacher. Daher liegt es nahe, dass er nicht nur an der Stellschraube der Wettquote des Underdogs Holstein Kiel dreht, sondern gleichzeitig probiert den Favoriten für eine niedrigere Quote als die der Wirklichkeit entsprechenden anzupreisen. Die reelle Wahrscheinlichkeit für einen Sieg Borussia Dortmunds mag der Buchmacher in einer Quote von 1,20 quantifiziert haben. Das ist rein fiktiv und wir wissen es natürlich nicht exakt. Tatsache ist aber, dass genügend Leute auch zu einer 1,10er Quote die Wette spielen. Deshalb liegt es nahe, dass der Buchmacher die Wettquote auf diesen Wert herab setzen. Dadurch kann der Wettende unter Umständen ein sehr schlechtes Geschäft machen. Insbesondere bei Wetten auf den Favoriten, sollte genau geprüft werden wie es um die Siegchancen steht.

Die Liquidität

Den Begriff Liquidität hast Du sicher schon des Öfteren im Zusammenhang mit Finanzen und der Börse gehört. Beim Wetten meint man damit die Geldmenge, die für eine Wette im Umlauf ist.

Die Liquidität wird interessant, wenn der Markt, in dem gewettet wird, sehr klein ist. Dies ist der Fall, wenn die Sportart relativ unbekannt ist oder die Liga bzw. das Turnier nur von wenigen Leuten verfolgt wird. Ist dies der Fall, so hat schon das Platzieren relativ geringer Geldbeträge mitunter drastischen Einfluss auf die Entwicklung der Wettquoten (Movement). Denn auch hier sind die Buchmacher gezwungen ihre Bücher auszugleichen, wozu sie die Wettquote auf die jeweiligen Wetten als Stellschraube nutzen. In einem Markt wo nur sehr wenige Menschen Wetten abschließen verteilt sich das Geld unter Umständen sehr schlecht von selbst, weshalb heftigere Quotenkorrekturen durchgeführt werden müssen. Aus demselben Grund – ausgeglichene Verteilung der Wett-Einsätze – existieren in solchen wenig frequentierten Sportarten bzw. Turnieren oft auch relativ niedrige Einsatz-Limits seitens der Buchmacher.